An der Stelle, an der sich heute das Schweizer St. Gallen befindet, errichtete vor langer Zeit, zu Beginn des 7. Jahrhunderts, der irische Mönch Gallus eine Einsiedelei. Damals ahnte Gallus wohl nicht und plante es auch ganz sicher nicht, dass nach seinem Tod an der Stelle der Einsiedelei ein Benediktinerkloster und eine berühmte Stadt entstehen würden.
Käseherstellung
Später erwiesen sich die Mitglieder des Benediktinerordens, die hier im Kloster lebten, als fähige und unternehmungslustige Mönche. Sie trieben regen Handel, kauften Grundstücke, erhoben Zölle und Steuern. Außerdem betrieben sie hier ein Krankenhaus. Die Mitglieder des Benediktinerordens verzichteten bereits damals auf Fleisch, widmeten sich aber der Käseherstellung. Das Rezept für dessen Zubereitung hatten die Brüder nämlich aus dem benachbarten Italien mitgebracht. Die Anleitung zur Herstellung verbreiteten sie später unter den örtlichen Bauern, die Kühe hielten, und die Käseherstellung in der Region kam in vollem Gange in Gang.
Anfangs handelte es sich lediglich um ein Quarkprodukt vom Typ Cottage, das aus saurer Milch hergestellt wurde. Später, erst im 15. Jahrhundert, wurde der erste halbharte Käse unter Verwendung von Lab hergestellt. Seitdem wurde dieser Käse zu einer lukrativen Handelsware und zugleich zu einer berühmten und beliebten Delikatesse der Region St. Gallen.
Einhundertelf Erker
Wenn Sie sich in St. Gallen in die Altstadt begeben, erwartet Sie dort der Anblick von 111 geschnitzten Erker. Die Vorsprünge, die aus den Fassaden oder von den Ecken der Gebäude herausragen, sind wunderschön mit Holzschnitzereien verziert:
o Früchte
o Pflanzen
o Tiere
o Engel
o Grimassen
o Kontinentkarten
Diese Erker erwecken den Eindruck luxuriöser Schaufenster, die an die Wände geklebt sind. Einst waren sie ein Symbol für den Reichtum der örtlichen Kaufleute. Mit ihnen zeigten diese, welchen Status und welche Macht sie besaßen. Sie wetteiferten miteinander und triumphierten darüber, wer die schönere Verzierung im Erker haben würde.
Abtei mit Bibliothek
Die Abtei in St. Gallen gehört seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Bibliothek, die Teil dieser Abtei ist, gilt als eine der schönsten und wertvollsten der Welt.